RAUCH & BRAUCH
Räuchern erinnert mich an die Weihnachtszeit in Kindertagen. Wenn Oma’s alte Räucherpfanne zum Einsatz kam, die Glut aus dem Kachelofen kleine Blitze in den Himmel schickte und Mama liebevoll ihre Räuchermischung aus Weihrauch und Wacholder vorbereitet hat. Dieser Duft im ganzen Haus!
Ein Zeichen dafür, dass das Christkind nicht mehr weit entfernt sein musste…
Ich bin im Raurisertal aufgewachsen, ein Gebirgstal im Salzburger Land in der Nähe von Zell am See in Österreich. Dort oben auf rund 1 000 Meter Höhe, weitab von Trubel und Hektik laufen die Uhren noch ein bisschen anders, langsamer. Uralte Traditionen aus der Zeit des Goldbergbaus und weit davor werden immer noch intensiv praktiziert und gelebt, was besonders um die Weihnachtszeit spürbar wird. Viele Bauernhöfe säumen den Weg, wenn man durch das Tal fährt und überall, in fast jeder Familie, wird auf ganz eigene Art und Weise das Räuchern praktiziert. Vor allem in der Zeit zwischen den Jahren, in den sogenannten Rauhnächten. Dabei handelt es sich um die zwölf Nächte von Weihnachten bis Neujahr/Dreikönigstag (vielerorts ab 21.12. oder ab 25.12.). In meiner Familie wurde in drei Rauhnächten das Räuchern praktiziert: am Weihnachtsabend (24.12.), zu Silvester (31.12.) und am Dreikönigstag (06.01.). Ich mache es in meinem Haushalt nun ein bisschen anders. Ich starte mit der Wintersonnenwende am 21.12. und versuche das Räuchern in meine tägliche Routine einzubauen.
Das Schöne am Räuchern? Man kann diese Praxis an die eigenen Bedürfnisse anpassen.
Eine Geschichte, wie in so manchen Haushalten im Innergebirg das Räuchern praktiziert wird.
Am Weihnachtstag wird im Haus schon am Morgen der Kachelofen angeheizt. Nicht nur damit die Stube schön warm ist, sondern auch, um am Abend genügend Kohle für die familiäre Räucherrunde vorbereitet zu wissen. Den ganzen Tag über wird gekocht und vorbereitet. Wäsche wird in der Zeit zwischen den Jahren übrigens keine gewaschen – man erzählt sich, dass sich umherziehende Geister und Seelen darin verfangen könnten und Unglück fürs nächste Jahr im Haus einzieht.
Abends steht am Küchentisch eine Tasse mit geweihtem Wasser und einem Wacholderzweig, ein Hut und eine Räucherpfanne bereit. Kurz vor der Bescherung und dem anschließenden Abendessen holt Papa die glühende Kohle aus dem Kachelofen. Mama verteilt ihre Räuchermischung darauf und deckt alles mit Wacholderzweigen und dem Pfannendeckel ab. Den Hut setzt Papa auf und eines der Kinder nimmt die Tasse mit dem geweihten Wasser und dem Wacholderzweig in die Hand. Nun geht die ganze Familie von Raum zu Raum und spricht gemeinsam die Floskel: „Mögen wir glücklich und zufrieden sein. Mögen wir behütet und sicher sein. Mögen wir unbeschwert und mit Leichtigkeit durchs nächste Jahr gehen.“ Dabei nimmt Papa in jedem Zimmer den Deckel von der Räucherpfanne, sodass sich der gesamte Raum mit duftendem Rauch füllt. Zum Schluss hält er seinen Hut auf die Pfanne, füllt ihn mit Rauch und setzt ihn jedem Familienmitglied auf den Kopf – ein Symbol dafür, dass jedem Teil der Familie Gesundheit, Glück und Liebe fürs neue Jahr bevorstehen sollte. Bevor der Raum gemeinsam wieder verlassen wird, sprenkelt das Kind mit dem Wacholderzweig noch etwas Weihwasser in das Zimmer. Und so spazieren sie vom Keller bis in den Dachboden, vom Garten bis zur Garage.
Abschließend wird gut gelüftet, um gelöste Energien gehen zu lassen und die Reinigung abzuschließen. Das gesamte Ritual wird dann in den Rauhnächten wiederholt.
Wie bereits erwähnt, wird das Räuchern von Familie zu Familie, von Ort zu Ort unterschiedlich praktiziert. Vertraue auf dein Gefühl.
RÄUCHERN IM ALLTAG
In meinem täglichen Leben hat das Räuchern mittlerweile das ganze Jahr über Tradition. Am liebsten verwende ich dafür ein Stövchen. Bei dicker Luft oder nach einer Auseinandersetzung lege ich reinigende Kräuter, wie Salbei, Wacholder, Fichte oder Beifuß aufs Räuchersieb. Abends nutze ich die Wirkung von Kamille und Lavendel, um zur Ruhe zu kommen. Und für klare Gedanken, wenn ich viel Denkarbeit vor mir habe, bedufte ich mit Minze, Lorbeer, Baldrian und Rose.
Außerdem orientiere ich mich ein wenig an den keltischen Jahreskreisfesten, die zum Räuchern einladen (Allerheiligen 01.11., Wintersonnenwende 21.12., Lichtmess 02.02., Frühjahrs-Tag- und Nachtgleiche um den 21.03., Walpurgisnacht 30.04., Sommersonnenwende um den 21.06. und zum Schnitterfest 01.08., sowie zur Herbst-Tag- und Nachtgleiche um den 30.09.). Für die Praxis des Räucherns kann man, je nach persönlichen Vorlieben, Stövchen, Pfanne oder Bündel verwenden.
LIEBES CHRISTKIND...
RÄUCHERMISCHUNG FÜR DIE RAUHNÄCHTE
Das brauchst du:
Weihrauch
Myrrhe
Zimt
Nelken
Wacholderbeeren oder -nadeln
Mistelzweige
optional: Kätzchen der Salweide und ein bisschen was vom Kräuterbündel (wird am 15.08. aus Sommerkräutern gebunden)
So geht’s:
Alle Harze und Kräuter mit dem Mörser zerkleinern und aufs Stövchen legen. Beim Räuchern mit Pfanne und Kohle sollten die Harze auf die Kohle gelegt und die Kräuter rundherum gestreut werden. Ansonsten verbrennen sie sofort.